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„Es war vor zwei Mal hundert Johre, als dass der See war zugefrore, da wottet se nach Münsterlinge, me sott denne Herre de Zehnte bringe…“

Nach einigen Jahrhunderten war es im Winter 1962/63 wieder soweit, dass der Bodensee zugefroren war und die Immenstaader ihrer Tradition entsprechend ihren „Zehnte“ mit dem Schlitten bei der Obrigkeit in Münsterlingen abgeben konnten.

Nachdem Anfang Februar 1963 bereits zwei Gruppen von Immenstaader Bürgern den zugefrorenen Bodensee Richtung Romanshorn bzw. Uttwil mit Schlittschuhen überquert hatten, erinnerten sich die „Hennenschlitter“ der alten Tradition, ebenfalls den See zu überqueren und nach Münsterlingen zu fahren.

Am 8. Februar 1963 war es soweit. Narrenvater I Franz Traub und Prinz Hermann Brügel („Vetter“) holten den Hennenschlitten, organisierten Hennen, Eier, Speck und Schnaps, und sammelten noch einige Narren um sich, um das Wagnis einzugehen. Der Geschichte oder mehr der Sage nach musste man in früheren Zeiten den „Zehnten“ an das Kloster Münsterlingen abliefern, welches dem Erzabt von St. Gallen unterstand. Dies geschah sehr oft zur Fasnetszeit so dass die Abgabe der „Fasnetshennen“ auch verbunden war mit der Bitte, Fasnacht feiern zu dürfen.

Verkehrsamtsleiter Hans Meichle telefonierte nach Münsterlingen, um die Ankunft der „Hennenschlitter“ anzukündigen. Der Gemeindeammann von Münsterlingen-Scherzingen Robert Senn glaubte noch an einen Scherz, vergewisserte sich aber in den Akten, was früher geschehen war. Er organisierte ein Riesenfest am Ufer des zugefrorenen Sees mit Musik, Schulkinder, Geistlichkeit, Behördenvertreter und vielen Bürgern von Münsterlingen.

Groß war dann die Freude, als die „Hennenschlitter“ mit 28 Personen, darunter viele Hennen, Hexen und der Narrenpolizist im Häs, ankamen. Ungläubiges Erstaunen verwandelte sich bald in eine große Freude und Herzlichkeit, Bezirksstatthalter Raggenbass und Gemeindeammann Robert Senn begrüßten diese illustre Gesellschaft. Der Höhepunkt war die Überreichung des Zehnten in Form von Eiern, Speck und Hennen, so wie es im Hennenschlitter-Lied heißt, an die Münsterlinger Herren.

Nach diesem großen Fest kehrten die Hennenschlitter wieder über den See nach Hause zurück, begleitet von einer kleinen Schar von Münsterlingern. Sie wurden alle begrüßt von Hans Meichle und Pfarrer Traber und feierten anschließend im Hotel „Seehof“ dieses besondere Ereignis. Erst am nächsten Morgen kehrten dann die Münsterlinger wieder nach Hause über den See zurück.

Das war der Beginn einer lange dauernden, bis heute bestehenden Freundschaft. Um die neu entstandene Beziehung zwischen Münsterlingen und Immenstaad zu erhalten und weiter zu pflegen, wurde nach der Seegfrörne, am 25. Mai 1964, in Münsterlingen eine Vereinigung von zwölf Männern gegründet.

Die Hennenschlitter waren über das Eis gekommen, die neue Münsterlinger Vereinigung konnte das andere Ufer aber über das Wasser erreichen, entweder per Schiff oder aber mit Schwimmen. Weil ein Hecht gut schwimmen kann, nannte sich die Vereinigung daher „Hechtler“! Markantes Erkennungszeichen war lange Jahre die Kopfbedeckung aus einem übergroßen Hecht. Erster Oberhecht war Robert Senn.

Seit dieser Zeit besuchen uns die „Hechtler“ regelmäßig zur Fasnetseröffnung am 11.11., am „Schmotzigen Dunnschtig“, zur „Hennensuppe“ und am Fasnetsmarkt. Diese Freundschaft haben die Familie Bruno und Anni Weißenberger über 50 Jahre ganz besonders gepflegt und am Leben erhalten.

Alle 5 Jahre feiern wir abwechselnd das Ereignis der „Seegfrörne“. Das 25jährige Jubiläum im Jahre 1988 wurde groß bei uns im Winzerkär gefeiert. Mit einem großen Fest erinnerte man sich an „50 Jahre Seegfrörne“ im Jahre 2013 in Münsterlingen. Nach einer Prozession vom Bodenseeufer und einem sich anschließenden besonderen Gottesdienst in der Kirche feierte man ein großes und eindrucksvolles „Familienfest“ einmal im Zelt und in der Kantine des Krankenhauses zu Münsterlingen mit gefühlsvollen Erinnerungen. Ein Jahr später erlebten die Hennenschlitter ebenfalls in Münsterlingen zusammen mit den Schweizer Freunden einen geselligen Abend in Wort und Bild anläßlich „50 Jahre Hechtler-Clique“.

Nachdem jahrelang Heiri Brunner die Hechtler-Clique geleitet hat, ist nun Richard Entenmann ihr „Oberhecht“.

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